SEHENSWÜRDIGKEITEN

Nach etwa hundert Jahren normannischer Verwüstung und tausendjähriger Einmischung in die Klosterführung verankert sich in Cluny eine Karolinger-Reform, welche das westliche Mönchtum rund um die Regel des Heiligen Benedikt vereint.
Wilhelm I, der Fromme (Le Pieux), Herzog von Aquitanien, gründet das Kloster auf einem kleinen Stück Heide am Ufer der Saone, in Cluny, eine Schenkung an 12 Benediktinermönche am Anfang des X. Jahrhunderts.
Eine Charta versichert die Unabhängigkeit der Abtei: strikte Befolgung der Regel des Heiligen Benedikts, absolute Unabhängigkeit gegenüber zeitlichen und geistlichen Mächten – jene des Papstes ausgenommen – dem Heiligen Petrus und Paulus geweiht, sowie schlussendlich „die Verpflichtung zu täglichen Werken der Barmherzigkeit gegenüber den Armen, Obdachlosen, Fremden, Reisenden“.
Das Kloster entwickelt sich dank heiliger Äbte mit langen Abtszeiten (Bernon, der erste durch Wilhelm den Frommen bestimmten Abt, gefolgt von Odon, Mayeul, Odilon ou Hugues) und beeinflusst den ganzen Westen durch seine wichtige Rolle in der Entwicklung des modernen Europas.
Das friedliche Tal der Grosne eignet sich für das kontemplative Leben, aber stellt ein geographisches Zentrum zwischen dem Frankreich der ersten Karolinger und dem Germanischen Reich dar.
Durch die Auvergne und Aquitanien ist man mit den Wegen der Jakobswahlfahrt verbunden. Die Verbindung und vor allem die Verbreitung dieses Ordens aus Cluny beschreiten diese wichtigen Achsen.
Clunys Architektur :
Clunys Kunst vervollkommnet den Glauben des einfachen Mannes. Gemälde, Bildhauerei, Mobiliar waren von großem Reichtum. Es besteht noch ein Teil der geschnitzten Ausstattung, vor allem die gegenständlichen Kapitellen des Kreuzbogens der Apsis, welche die Musiklagen darstellen, die Flüsse und Tierwelt des irdischen Paradieses, die Jahreszeiten sowie die Kardinaltugenden. Wir verdanken den Klosterbau ab 1088 dem Abt Hugues von Semur. Der Bau – die größte romanische Kirche, welche die Christenheit jemals erbaute, dessen Kreuzbogen in 30 Meter Höhe ragt – stellt die Macht Gottes auf Erden dar: „Major Ecclesia“.
Das romanische Burgund, vor allem Paray-le-Monial und Autun, lassen sich davon inspirieren. Seine Rolle in der Evolution der Architektur und monumentaler romanischer Bildhauerei sind beträchtlich. Sein Vertikalismus und der Umfang seiner Architektur werden Rückwirkungen auf die gotische Kunst haben, wo hingegen seine Ebene mit doppeltem Querschiff sich in den englischen Kathedralen fortsetzt.
Ein Leuchtturm der Christenheit :
Die Mönche von Cluny retteten vielzählige, sich im Niedergang befindenden Klöster: Sankt Benedikt an der Loire, Saint-Maur-des-Faussés und stifteten neue. Fast 1400 Ordensgemeinschaften wurden in Europa gegründet – mit Cluny als Mutterhaus an der Spitze. Aber der Aufschwung der Scholastik, die wirtschaftliche Weiterentwicklung und einige internen Gründe mindern die tragende Rolle Clunys ab der Mitte des XII Jahrhunderts. Es wird vor den anderen Orden fast ausgelöscht. Trotzdem folgt ein illustrerer Abt dem anderen über Jahrhunderte im Kloster, so wie Richelieu oder Mazarin.
Um 1750 baut man das Klostergebäude wieder auf: der großzügige Ausbau erfolgt im klassizistischem Stil.
Die Französische Revolution :
Die Mönche leben nicht Vorort, weil die Revolution kurz nach Beginn der Arbeiten ausbricht. Sie wurden ausgewiesen und die Gebäude in Staatseigentum eingenommen, um schließlich zum Verkauf angeboten zu werden. Die gigantische Kirche wurde also von Baumaterialhändlern gekauft und wird zum Steinbruch. Dieses Meisterwerk der romanischen Kunst wurde nach und nach abgebaut. Die uns noch heute verbliebenen Ruinen vermitteln einen Eindruck der Immensität des Gebäudes.
Ein intellektuelles Zentrum :
Die Abtei von Cluny hält einen zentralen Platz in der Klostergeschichte: Spirituelles, intellektuelles und künstlerisches Zentrum eines der blühendsten Zweige des Benediktinerordens.
Die französische Münzanstalt prägt 2010 eine Serie zum 1100 Jahr Jubiläum des Klosters.
Das Kloster ist an der Spitze des „réseau clunisien“, einem kulturellen Besichtigungsweg des Europarates, welcher mehr als 140 Sehenswürdigkeiten in Frankreich, England, Belgien, Deutschland, Schweiz, Spanien, Portugal und Italien umfasst.
